Bei einer Wohnsitzverlagerung ins Ausland ist der richtige Krankenversicherungsschutz von grosser Bedeutung.

In wenigen Wochen wird sich der Treck der Ferienhungrigen aus Nord- und Mitteleuropa wieder in den Süden aufmachen. Sei es die Toscana, Andalusien oder die Provence, viele verbringen ihre Sommerferien seit Jahren in derselben Region und fühlen sich vielleicht bald als halbe Einheimische. Irgendwann wird auch der Gedanke, sich dereinst definitiv im Süden niederzulassen, nicht mehr einfach beiseite gewischt, sondern reift zum Entschluss.

Dass es bei einer Wohnsitzverlagerung – temporär oder definitiv – eine Unmenge Dinge abzuklären gilt, ist klar. Weil etwa die bisherige Krankenversicherung in den seltensten Fällen weitergeführt werden kann, stellt sich praktisch immer die Frage, wie man sich bei einem Wohnsitzwechsel ins Ausland umfassend gegen Krankheit und Unfall versichern kann.

Grundsätzlich gilt dabei: Eine Deckung mit freier Arzt- und Spitalplan ist empfehlenswert, da in vielen Ländern das öffentliche Gesundheitssystem den gewohnten Anforderungen nicht vollumfänglich genügt. Nachfolgend die häufigsten Fragen – und die Antworten – die bei einem Umzug ins Ausland im Zusammenhang mit der Krankenkasse auftauchen könnten:

Soll ich bei Wohnsitznahme im Ausland eine lokale oder eine internationale Krankenversicherung wählen?

In vielen Staaten gibt es gute lokale Krankenversicherungen, die teilweise auch internationale Deckung bieten. Das Problem besteht darin, dass praktisch alle lokal tätigen Versicherungen nur Personen versichern, die im entsprechenden Land Wohnsitz haben. Bei erneutem Wegzug müssen somit diese Versicherungspolicen meist wieder aufgelöst werden. Zudem ist es vielerorts schwierig, eine wirklich weltweit geltende freie Arzt- und Spitalwahl zu erhalten. Ideal ist deshalb eine Versicherung, die unabhängig von Wohnsitz und Aufenthaltsdauer umfassende Deckung garantiert. Die meisten Schweizer Krankenkassen bieten diesbezüglich keine Lösung. Nur wenige Schweizer Versicherer offerieren auf privater Basis Krankenversicherungen, die auch bei Wohnsitz im Ausland abgeschlossen werden können.

Was sind die Formalitäten/Dokumente, die für einen Antrag bei einer internationalen Krankenversicherung benötigt werden?

Bei allen Versicherungen muss ein detailliertes Antragsformular sowie ein medizinischer Fragebogen ausgefüllt werden. Auf Grund dieser Angaben entscheidet dann die Versicherungsgesellschaft über die Aufnahme in die Versicherung.

Gibt es bei internationalen Krankenversicherungen Einschränkungen bezüglich Arzt- und Spitalwahl?

Die meisten internationalen Krankenversicherungen bieten eine uneingeschränkte, weltweite Arzt- und Spitalwahl. Das bedeutet, dass jemand, der in Italien krank wird, wählen kann, sich in Paris zu operieren. Oder wer wegen einer bestimmten Krankheit einen Spezialisten in den USA aufsuchen möchte, ist auch dort durch die Versicherung gedeckt.

Gibt es bei internationalen Krankenversicherungen Einschränkungen bezüglich geografischer Deckung?

Es gibt Versicherungen, die eine Einschränkung der geografischen Deckung zulassen, womit unter Umständen Prämien gespart werden. Wer sich z.B. nur in Europa aufhält, kann die Deckung – je nach Versicherung – auf Europa beschränken.

Kann ich bei einer Rückkehr in die Schweiz die internationale Versicherung beibehalten?

Ja, die internationale Versicherung kann während des ganzen Lebens, unabhängig von Wohnsitz und Aufenthalt, beibehalten werden. Dies ist sogar empfehlenswert. Zwar ist mit dem neuen Krankenversicherungsgesetz sichergestellt, dass alle Schweizerinnen und Schweizer, die aus dem Ausland zurückkehren, zumindest in die Grundersicherung aufgenommen werden. Beim Angebot von Zusatzversicherungen sind die Krankenversicherungen jedoch frei. Dies bedeutet, dass ältere Personen, die nicht völlig gesund sind, kaum mehr eine über die Grundversicherung hinausgehende Deckung finden. Es ist deshalb sehr sinnvoll, durch eine internationale Krankenversicherung gedeckt zu sein, die auch bei Rückkehr in die Schweiz beibehalten werden kann und somit lebenslang umfassenden Versicherungsschutz garantiert – unabhängig von Wohnsitz und Aufenthaltsort.

Was kostet eine gute internationale Krankenversicherung?

Eine umfassende Krankenversicherung mit weltweiter Arzt- und Spitalwahl ist oft günstiger als eine Schweizer Privatversicherung. Ein Beispiel: Die Jahresprämie eine der besten Versicherungen, die weltweit erhältlich ist, beträgt pro Person (Altersgruppe 20 bis 44 Jahre, Selbstbehalt 200 Franken) 3416 Franken bzw. 2230 Franken (nur Spitalversicherung).

Steigen die Prämien im Alter stark an?

Es ist wichtig, dass bei einer internationalen Krankenversicherung die Prämien im Alter nicht unverhältnismässig ansteigen. Bei vielen Versicherungen sind die Versicherten gezwungen, ab einem Alter von ca. 55 bis 60 Jahre massiv höhere Prämien zu bezahlen. Bei der Auswahl einer internationalen Krankenversicherung ist es also wichtig, auf die altersmässige Prämienabstufung zu achten.

Kann ich eine internationale Krankenversicherung mit der schweizerischen obligatorischen Grundversicherung kombinieren?

Die Grundversicherung ist bei Wohnsitz in der Schweiz obligatorisch und muss mit einer Schweizer Versicherungsgesellschaft abgeschlossen werden. Bei der Zusatzversicherung ist man jedoch frei in der Auswahl der Versicherungsdeckung. Es ist somit möglich und interessant, die Schweizer Grundversicherung mit einer internationalen Krankenversicherung mit weltweitem Schutz zu kombinieren.